Ilona Weirich - Gesichtspunkte

Das Ohr als Tor – das Ohr läßt die äußere Welt in unsere innere Welt hinein

In einem Seminar würde ich jetzt an dieser Stelle das Publikum fragen: „Sind Sie noch ganz OHR?“

Wer kennt nicht die folgenden Sätze in Verbindung mit den Ohren?

  • Stellen Sie Ihre OHREN bitte nicht auf Durchzug.
  • Ich hoffe, Sie sitzen nicht auf Ihren OHREN.
  • Trauen Sie Ihren OHREN?
  • Hatten Sie heute viel um die OHREN?
  • Halten Sie auch morgen die OHREN steif.
  • Und schreiben Sie sich einiges hinter die OHREN.
  • Haben Sie es faustdick hinter den OHREN.
  • Ein wichtiges Wort dazuGEHÖRen….

Die Ohren sind schon früh entwickelt und bilden den gesamten Organismus ab. 170 Akupunkturpunkte am Ohr bestätigen diese Sichtweise. Hören, lauschen, hin- und zuhören waren die Grundlage aller alten Kulturen. Die Alten erzählten Geschichten und gaben so Traditionen und Werte weiter. Die mündliche Weitergabe war überlebenswichtig. Lesen und schreiben kam viel später.

Wir haben physiognomisch die Wirbelsäule am Helixrand, das ist die äußere Ohrleiste, die innere Leiste heißt Antihelix. Das Ohr hat Merkmale, die unser tiefstes Inneres, unsere Seele, unsere Ahnen beschreiben.

Physiognomen beschreiben 3 Bereiche der Ohren:

Unser seelischen Wollen im geistigen Bereich (oberes Ohr), der kommunikative Bereich Mitteilung (mittleres Ohr) und der körperliche vitale Bereich (das Ohrläppchen unterer Bereich) und alle drei Bereiche haben Botschaften über unsere tiefsten Wünsche.

An den Ohren sehen wir z.B. am Ohrläppchen die Reservekräfte. Leben wir in unserer Mitte im Gleichgewicht, bleiben wir in unserer Schöpferkraft, beim Forscherdrang – achte ich auf meine Kräfte, Säfte, fließen meine Gefühle, achte ich auf das, was ich über den Mund und die Verdauung in meinen Tempel hineinlasse – auch was ich mir anhöre.

Habe ich inneren Halt, der jedem Sturm standhält – Ohrenprobleme sind immer Sturmwarnungen. Das Ohr zieht die äußere Welt in unsere Innere hinein.

Stille auszuhalten, fällt vielen Menschen heute schwer. Eine Schweigewoche im Kloster – wie heilsam. Dann geht das Gespräch nach innen, dem Körper, den Gedanken lauschen oder auch mal dem Chaos drinnen zuhören und zur Ordnung rufen. Schluss mit dem Gebrabbel in meinem Kopf. Die meisten brauchen den ständigen

Lärm – immer Radiogedudel oder den laufenden Fernseher im Hintergrund. Ich bin immer wieder erstaunt über die leeren Gespräche per Handy bzw. Smartphone ringsherum.

Als 1. wird immer gefragt: „Wo, bist Du denn?“ Vielleicht brauchen wir eine ständige Standort-Bestimmung, um nicht in die innere Desorientierung zu kommen. Mit den GPS, Smartphone geben wir auch unsere Unabhängigkeit ab. Immerzu erreichbar per SMS. Immer offen sein (online), heißt auch nicht ganz dicht. Stille ermöglicht Be-Sinn-ung. Auch die Gedankenwelt mit Sinn erfüllen.

Erinnern Sie sich daran, dass wir füher auf unserem Paßbild ein Ohr zeigen mußten. Denn jeder Mensch hat zwei unterschiedliche Ohren. Das rechte Ohr ist das rationelle Ohr, das Ohr der Gegenwart, das männliche Ohr. Das linke Ohr das emotionale Ohr, die Vergangenheit und die mütterliche Seite. Meist ist ein Ohr fester als das andere. Diese innere Spannung sagt etwas darüber aus, wo sich seelischer Druck aufgebaut hat, besonders dann, wenn eins der Ohren noch rot ist.

Abstehende Ohren sind elektisch und haben starke Impulsivität. Dies ist gerade bei  Kindern sehr anstrengend, bei Erwachsenen durchaus auch. Unbändiger Tatendrang und auch mal ein „über die Stränge schlagen“, ungehemmt und disharmonisch sein, dies gilt es physiognomisch zu interpretieren.

Fleischige Ohrläppchen wollen auf Nummer sicher gehen. Alles wird gründlich geprüft, ob es sich „lohnt“.

Gerade Ohren zeigen Gradlinigkeit, Offenheit. Liegen Ohren an, so sind dies Menschen die Harmonie leben möchten. Mit großer Nase und Tatimpulsivität kann das eine anstrengende Mischung werden.

In diesem Sinn: „Immer schön gucken und nicht beurteilen!“

Die wunderbare Ohrplastik ist von Anja Henze